Die Aktion Tag Ohne Medien ist vorerst vorbei. Am 21.6. war der medienfreie Tag und jetzt bin ich gespannt, wie es Euch dabei ging.
Puh, ich muss zugeben, für mich - obwohl Gründerin der Aktion - war es schon eine Herausforderung - oder noch jemand, der mit einem gebrochenen Fuß bei Regenwetter zu Hause saß? Und eines ist mir bewusst geworden - Ich gehöre offenbar wirklich zu den mediensüchtigen Menschen. Dass es solche Ausmaße angenommen hat, war mir bisher nicht klar. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie mein Finger in Richtung Computer wanderte oder ich gerade den Fernseher anschalten wollte. Stopp - da war doch was. Nein, mal auch die Musik auslassen… Natürlich, würd keiner merken, dass ich geschummelt habe - außer ich selbst. Und genau das ist der Punkt. Die Aktion ist ein Stück Selbsterfahrung und Selbstdiziplin. Einen Jordanier habe ich mal zu Ramadan gefragt, warum er sich so strikt an die Vorgaben hält, würde doch keiner mitkriegen, wenn er jetzt mitessen würde. “Ja aber ich schon” hat er geantwortet. “Und darum geht es”.
Ruhig war es gestern. Sehr ruhig. Manchmal schon fast beängstigend ruhig. Als ich aber diesen Punkt überwunden hatte, an dem ich normalerweise längst irgendeinen Apparat eingeschaltet hätte, wurde es sehr entspannt. Und friedlich. Seit langem habe ich mal wieder eine Ahnung davon bekommen, was ich früher empfand, wenn es mir langweilig war. Keine Ablenkung, keine schlechten Nachrichten, aber vor allem: Keine Zerstreuung. Das heißt: Kein Stress, volle Konzentration, kein Multitasking, keine Verwirrtheit (ich wollte doch gerade noch nach etwas googlen - da war doch was - was war das nochmal, ah, eine neue mail, was läuft da gerade im Fernsehen, wollte doch gerade die mail lesen, was schreibt er, ich soll mal den link anschaun, ach ja, da war doch auch noch ein anderer link, den ich vorher noch genau ansehen wollte, da ist ja schon wieder eine neue mail, was sagt der da im Fernsehen gerade? Sollte ich schnell mal an den und den mailen - uaaaaaahh). Mein Bücherregal fand ich gestern übrigens sehr interessant… Und heute früh habe ich voller Begeisterung den Computer angeschaltet. Immerhin widerstand ich der Versuchung, ihn gestern um 24 Uhr anzumachen. Flatrates sind ein zweischneidiges Schwert. Und ich bewundere Medienverweigerer…
Ja, es mag sein, dass es vielen Menschen nicht so geht wie mir. Da freue ich mich für sie, ich hätte auch gerne etwas mehr Disziplin im Umgang mit Medien. Oder weniger Interesse an all den Dingen oder andere Gründe, keinen medienfreien Tag brauchen zu müssen. Aber wie ich ja inzwischen weiß, gibt es auch sehr viel Interesse und Motive, sich an solch einem Tag zu beteiligen - sei es ein bestimmter vorgegebener Tag wie dieser, ein selbstgesetzter Tag im Monat/in der Woche etc. Auf jeden Fall lasse ich diese Seite erst einmal online. Und ich überlege ernsthaft einen neuen medienfreien Tag auszurufen. So viele Menschen haben ja noch nicht davon gehört, denn es braucht Zeit, so eine Aktion zu etablieren. Wie seht Ihr das? Alle 3 Monate ein Tag ohne Medien? Zum Beispiel immer zum Wechsel der Jahreszeiten. Öfter? Weniger oft? Nicht jeder braucht ein konkretes Datum, aber manche von uns “funktionieren” nur noch über Termine…
22.6.2009 bei 17:49
hm, der Geist war willig, das Fleisch ein wenig schwächer - aber es hätte klappen können!Hier ein Kurzprotokoll des Scheiterns:
Gestern war einer dieser Sonntage, an denen nach langem (Hochzeits-)Feiern eh keine Energie für Netzwerken, Recherche etc. übrig war, entsprechend selbstbewusst hab ich mich direkt mal für diese Aktion gemeldet. Dann ein winziger Rückfall am Nachmittag: Wann fahren nochmal die Züge nach Düsseldorf? Das einzige, was hier den kompletten Medienboykott (bahn.de oder Anruf bei der Kundenhotline)ermöglicht hätte, wäre perfekte Organisation gewesen. Aus charakterlichen Gründen unmöglich, Aktionstag hin oder her.
Das Angebot auf ebay, das gestern abend ablief, beobachten und Käuferfragen beantworten? In meiner gestrigen Verfassung verzichtbar. Entsprechend ging mein ehemals teurer Mantel für sieben Euro weg, weil ich eine potentielle Kundin vergrault hab. Nun gut, so eine Reinigung der Seele kann’s nicht für lau geben.
Aber dann, das schlechteste aller Argumente: Nichts ist Sonntags abends schöner, als mit heruntergefahrenem Hirn Tatort zu sehen, und ich mag doch so gerne Männer mit markanten Nasen. An dem Punkt war der “Tag ohne Medien” komplett vergessen.
22.6.2009 bei 18:39
Hallöchen zusammen, na dann berichte ich auch einmal kurz.
Also, und ja, da kann man es sehn wie schlimm es steht. Asche auf mein Haupt. Ich habe erst dran gedacht, als der PC an war und ich auf Meinvz!!!! Schock schwere Not, mir ist es wirklich erst da wieder eingefallen, dabei habe ich doch abends zuvor noch fest dran gedacht. Nunja, ich habe dann brav das Netzwerken, chatten und sonstiges Online sein lassen, mich meiner Arbeit gewidmet, und abends gelesen. Vom Tv bin ich eh unabhängig, hat mir demnach ganz klar auch nicht gefehlt. Das Chatten fehlte immens, hier in meiner Einöde. Aber ansonsten, da es ja auch Sonntag war, war es leicht nicht online zu gehn (wie gesagt von anderen Medien bin ich nich wirklich “abhängig”, das Handy is mir ebenso egal wie das Tv).
Also alles in Allem muss ich sagen: es war eigentlich nicht viel anders als sonst *lacht*
22.6.2009 bei 18:42
Hier sind noch weitere Kommentare, die direkt an meine Mailadresse gegangen sind:
Jetzt kriegst gleich ein Feedback zum medienfreien Tag bei uns:
Also, es hat fast gut funktioniert: Denn in der Früh haben wir schon Radio
gehört, ich hab schon in einem Kochheft geschmökert und wir haben am Abend eine
CD angehört….
Auf den ganzen Rest konnten wir gut verzichten bzw. haben aktiv darauf
verzichtet ;-))
S.
und noch ein weiterer:
Ich habe lang überlegt, ob ich mitmachen kann,
aber auf jeden Fall hab ich deine E-Mail meinen Freunden weitergeschickt.
Ich konnte leider nicht mitmachen,
da ich mit meinem Freund mit dem Auto von Tübingen nach Kiel gefahren sind.
Dazwischen wollten wir ein paar Leute sehen,
d.h. wir brauchten ja natürlich das Handy…
Unter der Woche höre ich manchmal gar kein Radio, Musik und brauch kein Fernseher.
Vielleicht ohne Internet hätte ich Problem, aber ich kann auch darauf ein paar Tage verzichten.
Na ja, die Zeitung ist mein Lieblingsmedium,
jedoch abonniere ich seit ein paar Wochen keine Zeitung,
von daher hätte ich an andrem Tag gerne mitgemacht!
Aber gestern war einfach unpraktisch mitzumachen.
U.