22.6.2009 von admin.
Die Aktion Tag Ohne Medien ist vorerst vorbei. Am 21.6. war der medienfreie Tag und jetzt bin ich gespannt, wie es Euch dabei ging.
Puh, ich muss zugeben, für mich - obwohl Gründerin der Aktion - war es schon eine Herausforderung - oder noch jemand, der mit einem gebrochenen Fuß bei Regenwetter zu Hause saß? Und eines ist mir bewusst geworden - Ich gehöre offenbar wirklich zu den mediensüchtigen Menschen. Dass es solche Ausmaße angenommen hat, war mir bisher nicht klar. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie mein Finger in Richtung Computer wanderte oder ich gerade den Fernseher anschalten wollte. Stopp - da war doch was. Nein, mal auch die Musik auslassen… Natürlich, würd keiner merken, dass ich geschummelt habe - außer ich selbst. Und genau das ist der Punkt. Die Aktion ist ein Stück Selbsterfahrung und Selbstdiziplin. Einen Jordanier habe ich mal zu Ramadan gefragt, warum er sich so strikt an die Vorgaben hält, würde doch keiner mitkriegen, wenn er jetzt mitessen würde. “Ja aber ich schon” hat er geantwortet. “Und darum geht es”.
Ruhig war es gestern. Sehr ruhig. Manchmal schon fast beängstigend ruhig. Als ich aber diesen Punkt überwunden hatte, an dem ich normalerweise längst irgendeinen Apparat eingeschaltet hätte, wurde es sehr entspannt. Und friedlich. Seit langem habe ich mal wieder eine Ahnung davon bekommen, was ich früher empfand, wenn es mir langweilig war. Keine Ablenkung, keine schlechten Nachrichten, aber vor allem: Keine Zerstreuung. Das heißt: Kein Stress, volle Konzentration, kein Multitasking, keine Verwirrtheit (ich wollte doch gerade noch nach etwas googlen - da war doch was - was war das nochmal, ah, eine neue mail, was läuft da gerade im Fernsehen, wollte doch gerade die mail lesen, was schreibt er, ich soll mal den link anschaun, ach ja, da war doch auch noch ein anderer link, den ich vorher noch genau ansehen wollte, da ist ja schon wieder eine neue mail, was sagt der da im Fernsehen gerade? Sollte ich schnell mal an den und den mailen - uaaaaaahh). Mein Bücherregal fand ich gestern übrigens sehr interessant… Und heute früh habe ich voller Begeisterung den Computer angeschaltet. Immerhin widerstand ich der Versuchung, ihn gestern um 24 Uhr anzumachen. Flatrates sind ein zweischneidiges Schwert. Und ich bewundere Medienverweigerer…
Ja, es mag sein, dass es vielen Menschen nicht so geht wie mir. Da freue ich mich für sie, ich hätte auch gerne etwas mehr Disziplin im Umgang mit Medien. Oder weniger Interesse an all den Dingen oder andere Gründe, keinen medienfreien Tag brauchen zu müssen. Aber wie ich ja inzwischen weiß, gibt es auch sehr viel Interesse und Motive, sich an solch einem Tag zu beteiligen - sei es ein bestimmter vorgegebener Tag wie dieser, ein selbstgesetzter Tag im Monat/in der Woche etc. Auf jeden Fall lasse ich diese Seite erst einmal online. Und ich überlege ernsthaft einen neuen medienfreien Tag auszurufen. So viele Menschen haben ja noch nicht davon gehört, denn es braucht Zeit, so eine Aktion zu etablieren. Wie seht Ihr das? Alle 3 Monate ein Tag ohne Medien? Zum Beispiel immer zum Wechsel der Jahreszeiten. Öfter? Weniger oft? Nicht jeder braucht ein konkretes Datum, aber manche von uns “funktionieren” nur noch über Termine…
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